Ein Verbundprojekt der
Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
und der Fachhochschule Lübeck


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Das Thema Laufbahnentwicklung von Frauen wird seit Jahrzehnten weltweit diskutiert. Im Ergebnis wird überwiegend festgestellt, dass die Situation nach wie vor Diskriminierungselemente aufweist, d.h. Frauen beim „Weg an die Spitze“ benachteiligt werden. Allerdings wird bei der Diskussion meistens nur die traditionelle Managementlaufbahn zugrunde gelegt.

Gesucht werden muss deshalb auch nach neuen / innovativen Laufbahnkonzepten, die für die Unternehmen und für die Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer attraktiv sein können. Hierzu zählt das Konzept der „Fachlaufbahn“.

Für eine positive Auswirkung von Fachlaufbahnen auf eine verbesserte Durchsetzung von Chancengleichheit für Frauen könnten folgende ausgewählte Argumente sprechen:

  • In der Literatur und auch auf wissenschaftlichen und praxisbezogenen Tagungen wird immer wieder (kontrovers) diskutiert, ob Frauen weitaus weniger an einer traditionellen Führungslaufbahn interessiert seien als Männer und dies u.a. ein Grund für die noch geringe Anzahl von weiblichen Führungskräften sei (Vertikale Segregation). Sie würden vielmehr eher fach- und sachbezogene Arbeit bevorzugen. Fachlaufbahnen könnten deshalb für Frauen besonders attraktiv sein, da beide Aspekte (fachbezogene Arbeit und Aufstiegs- / Entwicklungsmöglichkeiten) miteinander verbunden sind.

  • Insbesondere in den MINT-Studienfächern/Berufsbereichen sind nur sehr wenige Frauen zu finden (Horizontale Segregation). Dementsprechend sind in der Regel auch in den Führungspositionen in den MINT-Bereichen keine/kaum Frauen beschäftigt. Die Frage ist, ob Fachlaufbahnen aber gerade für Frauen einen zusätzlichen wesentlichen Anreiz bieten, doch verstärkt MINT-Fächer zu wählen. Denn bisher beinhalten die MINT-Einsatz-/ Berufsbereiche zwar überwiegend hochinteressante Aufgaben, aber die traditionellen Karrierewege im Rahmen der Führungslaufbahn sind oft unzureichend und unattraktiv.

  • Durch den Bedeutungszuwachs der Wissensarbeiter für die Unternehmen können Fachlaufbahnen sowohl eine Steigerung der Positionsmacht als auch der Experteninnen-/ Expertenmacht ermöglichen. Hier könnte deshalb ebenfalls eine verbesserte Situation für Frauen erreicht werden, wenn sie durch den Aufstieg im Rahmen der Fachlaufbahn über die Ausübung ihrer sachbearbeitenden Tätigkeit hinaus auch einen Zuwachs an Einflussnahme auf Entscheidungen, Abstimmungen und auf die Meinungsbildung der Führungskräfte der Managementlaufbahn etc. gewinnen können.

  • Ebenso könnte die Einführung von Fachlaufbahnen und die steigende Anzahl von Expertinnen in Fachlaufbahnen einen erheblichen Einfluss auf den sogenannten „gender pay gap“ haben, da sich dadurch die Chance für Frauen verbessert, höherwertige Positionen zu übernehmen und dadurch relativ mehr zu verdienen als ohne Hierarchieposition.

  • Fast seit Jahrzehnten wird die stereotype Annahme vertreten, dass sich Frauen in Bezug auf die „work life balance“ entscheiden müssten (oder sollten), ob sie der Familie/dem Privatleben oder dem Beruf/der Führungsposition Vorrang einräumten. Beides könne bei einer Vollzeittätigkeit nicht anforderungsgerecht und erfolgreich ausgefüllt werden. Deshalb verzichten viele Frauen trotz hoher Qualifikation und Karriereorientierung oft auf eine weiterführende hierarchiebezogene Karriere im Rahmen der Führungslaufbahn. Fraglich ist, ob eine Fachlaufbahn diesbezüglich karriereunschädlich(er) ist und folgende Aspekte eher ermöglichen könnte:

    • in Teilzeit/reduzierter Vollzeit zu arbeiten.

    • öfter „home office“-Zeiten in Anspruch zu nehmen.

    • weniger Arbeiten zu „Unzeiten“ erledigen zu müssen (abends, am Wochenende, Überstunden, Managementtagungen etc.).


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